Das Sozialbündnis zur Coronakrise

Die Vielzahl sozialer Probleme, die durch die Coronakrise sichtbar werden, sind schon immer das zentrale Thema unseres Sozialbündnisses. Dazu nehmen wir auch in der in Kürze erscheinenden Broschüre „Soziale Gerechtigkeit für Krefeld“ Stellung und veröffentlichen hier, auch als kleine Vorschau, den Beitrag zu Corona mit den Zeichnungen von Jari.


Corona – und jetzt?

In die Endphase der Erstellung dieser Broschüre platzte die Corona-Krise. Neben einer Menge zusätzlicher logistischer Probleme stellte sich für uns auch die Frage: hat die Idee der Broschüre, nämlich die Forderung nach wirklicher sozialer Gerechtigkeit in den Blickpunkt zu rücken, in Zeiten von Corona überhaupt noch Bestand? Sehr schnell wurde deutlich, dass die Ausnahmesituation, in die die Pandemie unsere Gesellschaft gebracht hat, die sozialen Probleme noch viel deutlicher hervortreten lässt. Beispiele dafür sind:

  • der Markt hat nicht für die Krise vorgesorgt, er hilft uns auch jetzt nicht, sondern ruft verzweifelt nach Rettung durch den Staat
  • das Gesundheitssystem der Profitlogik des Marktes zu unterwerfen fällt uns böse auf die Füße und muss nun blitzschnell korrigiert werden.
  • wir stellen fest, dass diejenigen für uns am wichtigsten sind, die nach der Logik des Marktes am schlechtesten bezahlt werden und deshalb in Mengen fehlen: Pflegekräfte, Lebensmittelverkäuferinnen, Kassiererinnen, Regalauffüllerinnen, Erzieherinnen, Reinigungskräfte, Erntehelferinnen. 75 Prozent der Beschäftigten in systemrelevanten Berufen sind weiblich. Und, wie ja allgemein bekannt ist, schlechter bezahlt.
  • diejenigen, die zu normalen Zeiten bereits am Rande des Existenzminimums oder sogar darunter leben mussten, wie Alleinerziehende, Kinderreiche, Soloselbständige, Hartz IV Empfänger, Obdachlose; Flüchtlinge uva., geraten durch die erschwerten Bedingungen der Krise in existentielle Not.
  • Geringverdiener werden schnell zu HARTZ IV-Aufstockern. HARTZ IV wird trotz der Schließung vieler Tafeln und durch Hamsterkäufe gestiegener Preise nicht erhöht. Wohnungslose etc. gehen völlig leer aus, die Isolation der ohnehin bereits Abgehängten wird verschärft.
  • die Krise trifft Einkommensärmere härter. Das Kurzarbeitergeld von 60 bis 67% kann jetzt zwar allmählich auf 80 bis 87% ansteigen, aber auch das ist noch kein europäischer Spitzenwert. Aufgestockt wird es nur von wenigen Großbetrieben, obwohl den Unternehmen sogar die Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden.
  • das digitale Lernen bei geschlossenen Schulen ist für Kinder aus ärmeren Familien mit kleinen Wohnungen und schlechterer oder ganz fehlender EDV-Ausstattung schwieriger bis unmöglich.

Werden uns die Auswirkungen der Krise also dazu zwingen, über mehr soziale Gerechtigkeit für die Gesellschaft nachzudenken? Nicht unbedingt, wie schon die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 gezeigt hat. Sobald das Schlimmste überstanden war, ging es weiter wie vorher – oder noch schlimmer. Die Profiteure des Marktes werden auch diesmal ihr Möglichstes tun, dass die Corona-Krise so schnell wie möglich und ohne wesentliche Veränderungen in Vergessenheit gerät.

Vielleicht kann diese Broschüre ja helfen daran zu erinnern, dass wir eine Menge in Richtung sozialer Gerechtigkeit verändern müssen, wenn die Krise erst mal überstanden ist. Und eine Menge Vorschläge, wie man das machen könnte, sind hier auch schon aufgeschrieben.

Aber auch jetzt schon gibt es einige Dinge zu tun, die einfach nicht warten dürfen:

  • dafür sorgen, dass die Schwächsten unserer Gesellschaft, sei es gesundheitlich oder wirtschaftlich, in der Krise nicht zu Grunde gehen.
  • darauf achten, dass nicht wieder Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden.
  • genau beobachten, dass Einschränkungen unserer Freiheitsrechte, die in der Krise sinnvoll sein können, nicht zum dauerhaften Abbau demokratischer Rechte führen.

Bleiben Sie gesund!